RZChefredakteuer Christian Lindner im Interview

RZChefredakteur Christian Lindner

Auf Grund der Social Media Aktivitäten der Rheinzeitung vor allem aber wegen Twitter, wo die RZ ja sehr aktiv unterwegs ist, überlege ich RZ-Leser zu werden. Ich mag jedoch keine Papierzeitungen. Die sind immer so unhandlich und ich muss sie irgendwo erst einmal kaufen (oder liefern lassen).Eine RZApp würde mich jedoch dazu bewegen die RZ regelmäßig zu lesen.

Ich habe gehört, dass es bald eine RZApp geben soll und entsprechende Gespräche mit Entwicklern derzeit stattfinden. Stimmt das und falls ja, wann soll die fertige App erhältlich sein?

Wir beobachten die Entwicklung von medialen Apps aufmerksam – und arbeiten auch zunehmend konkreter an der Thematik. Mit dem Einführungsdatum wollen wir den Markt noch überraschen.

Apropos App. Nutzen Sie selbst auch das iPhone?

Ja, leidenschaftlich gern. An einem ruhigen Sonntag lade ich mir gerne auch neue Apps herunter. Mein derzeitiger Liebling: RjDj – eine Plattform für akkustische Kunst. Mit einen guten Kopfhörer göttlich…

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem iPhone und welchen Hauptnutzen sehen Sie für sich?

Es hat sich für mich sehr schnell zur unverzichtbaren, aber auch Freude bereitenden Zentrale für mobile Kommunikation, Information und Web2.0 entwickelt. Vorher war ich jahrelang begeisterter Blackberry-Nutzer – das ist vorbei. Die Kombination aus smarter Technik, perfektem Design, die gelungene Integtration von Fotografie, Audio und Video sowie die Dynamik der App-Entwicklungen machen das iPhone für mich unschlagbar. Wer es individualisiert, bekommt damit gleichsam einen medialen Maßanzug.

Wie verändern Ihrer Meinung nach mobile Endgeräte wie das iPhone, oder andere Smartphones das Nutzerverhalten Ihrer Leser?

Für immer mehr Menschen wird Information und Mediennutzung zwingend auch mobil sein. Mehr noch: Medien, die nicht auch mobil nutzbar sind, laufen Gefahr, von Digital Natives gar nicht mehr als Medien wahrgenommen zu werden. Umgekehrt sind iPhone & Co. ein perfekter neuer Kanal für die Kommunikation für moderne Medienhäuser mit ihren Usern.

Welche Chancen bzw. Risiken sehen Sie für die Rheinzeitung (oder allgemein die Printmedien) im Zeitalter von mobilem Internet und Web 2.0?

Keine Risiken, sondern nur Chancen – wenn ein Medienhaus diese neuen Wege kennenlernt, austestet, nutzt und verbreitert. Unser Geschäft ist im Kern nicht das Bedrucken und Verteilen von Papier, sondern das Generieren und Distribuieren von Inforrmationen. Via Web2.0 generieren wir noch mehr Informationen als früher – und können diese in Print einspeisen, aber auch sehr rasch und charmant über die Wege des Mitmach-Internets an die User bringen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Rheinzeitung direkt durch die Social Media Aktivitäten mehr Zeitungen verkauft / mehr Werbeeinnahmen generiert. Woran messen Sie Ihren Erfolg in Twitter, Facebook und Co?

Die Rhein-Zeitung hat allein mit Ihren Accounts in Twitter binnen eines Jahres eine zusätzliche Reichweite von 13.000 Usern aufgebaut – ohne Kampagne und sonderliche Kraftanstrengung, sondern einfach durch pfiffiges Senden. Diese Reichweite stellt jetzt schon einen beträchtlichen Wert dar, der etwa die Links unseres klassischen Online-Auftritts vergoldet – weil sie auf diesen Schienen sehr leicht weiterzugeben sind. Irgendwann wird das in ein Geschäftsmodell münden.

Wie viel Zeit setzen Sie persönlich, aber auch die Rheinzeitung für diese Aktivitäten ein?

Ich persönlich pro Tag vielleicht eine halbe Stunde in Summe – immer wieder mal zwischendurch, oft als journalistische Gymnastik. Und ein Tweet etwa vom Flughafen oder eine Tweetfolge aus einer Branchentagung heraus frisst überhaupt keine Zeit. Bei der Rhein-Zeitung gibt es mittlerweile einen für Social Media freigestellten Redakteur – als Keimzelle für ein Social Media Ressort, das auf Dauer jedes gute Medienhaus haben muss. Viele Dutzend andere RZ-Kollegen integrieren Twitter, Wer kennt wen und Facebook in die gewohnte Arbeit – wie Mails, Internet oder Fax.

Das Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost mussten bis zu 20% der Visits in Kauf nehmen, da sie den Webzugriff kostenpflichtig gemacht haben. Welches Potential sehen Sie in diesem Zusammenhang in neuen Endgeräten wie dem iPad?

Sehr rasch wird es für Medienhäuser wie für die Nutzer weniger um die Frage der richtigen Endgeräte, sondern um die richtigen Inhalte gehen. Wenn das iPad da ist, wird sich bald zeigen, wer denn überhaupt unikable Inhalte dafür hat. Ein regionales Medienhaus, das seinen Informationsvorsprung in der Fläche gut nutzt, hat da gegenüber nationalen Anbietern im seinem Stammland große Vorteile.

Und wie sieht für Sie die Rheinzeitung in drei Jahren aus?

Wir werden in der gedruckten Variante der Rhein-Zeitung genau wegen des eben angerissenen Hintergrundes mehr relevante Texte als heute veröffentlichen – und diese auch auf digitalen Wegen publizieren. Zudem kann ich mir ein digitales Abo der kompletten Rhein-Zeitung vorstellen.

Nun noch kurz ein paar unsortierte, andere Fragen.
Lesen Sie selbst eigentlich auch kleinere Blogs? Welchen empfehlen Sie besonders und warum?

Ich bin kein Stammgast von einigen wenigen Blogs, sondern stoße via Twitter täglich auf immer wieder neue Blogs. Ein kreativ formulierter Tweet plus Link lockt mich oft zu einem Blog – und dann lese ich mich gerne fest, steige oft auch in ältere Postings ein. Gute Texte sind dabei für mich wichtiger als eine ausgefeilte Optik. Und wenn sie gut geschrieben sind, können die Texte auch gerne lang sein.

Da Sie ja selbst das iPhone nutzen und auch sonst bestimmt mobil im Internet unterwegs sind (das unterstelle ich jetzt einfach mal??), würden Sie auch bei meiner Aktion mitmachen?

Ich schau mal, was mein Zeitmanagement mir über die Beantwortung dieser Fragen hinaus erlaubt.

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